Geschichte

Zeitreise durch Rimpar

Wie in einem bunten Bilderalbum blättern wir durch die Jahrzehnte: von den Anfängen bis in die Gegenwart. Entdeckt die Spuren der Vergangenheit und die Entwicklungen, die Rimpar zu dem Ort gemacht haben, den wir heute feiern.

Die früheste Besiedelung im Bereich der Gemarkung Rimpar erfolgte zu Beginn der Jungsteinzeit (Frühneolithikum). Erste Bauern und Viehzüchter wanderten ein und ließen sich in der heutigen Flur „Hinter der Kirche“ nieder. Nach den Verzierungen ihrer  Gefäße (umlaufende Linien und Bänder, später mit Einstichen und weiteren Zierelementen versehen) wird diese Zeit als Linearbandkeramik oder nur Bandkeramik (5500 – 4900 v. Chr.) bezeichnet.

Rimpar – „Hinter der Kirche“ : Kumpf der frühen Jungsteinzeit, 5500 – 4900 v. Chr.

 

Foto: Hans Winzlmaier

Neben im Durchschnitt 25 m langen und 6 m breiten Häusern, in Pfostenbauweise mit Flechtwerk- und teils Spaltbohlenwänden errichtet, ist die Verwendung von Steinwerkzeugen aus hartem Felsgestein (Amphibolit) und Silexgestein (Feuerstein) mit einem typischen Formenspektrum charakteristisch für diese Zeit: geschliffene Querbeile und hoch gewölbte Steinkeile – sogenannte „Schuhleistenkeile“, in späterer Zeit durchbohrte Äxte und Scheibenkeulen, sowie Sichelklingen, Bohrer, Kratzer und Pfeilspitzen. Die Verstorbenen begrub man seitlich liegend mit angewinkelten Beinen, in Hockstellung, oft mit Keramikgefäßen und Steingeräten als Beigaben.

 

In Rimpar fanden bereits 1913 und 1914 Ausgrabungen des „Generalkonservatoriums der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns“ unter Prof. Dr. Hock statt. Beim Bau der Maximilian-Kolbe-Schule, 1970, barg Schulrat Alfons Arnold zahlreiche Keramikscherben, u.a. die Überreste eines rekonstruierbaren, großen Vorratsgefäßes mit einem Fassungsvermögen von etwa 50 Litern, Mahl- und Reibsteine, viele Hüttenlehmbrocken, Tierknochen und eine Hockerbestattung.  Ab 1980 fand Hans Winzlmaier bei seinen Feldbegehungen im Bereich der noch verbliebenen Siedlungsfläche neben etlichen Steingeräten und Keramiküberresten die Tonscherbe eines Kultgefäßes mit der äußerst seltenen  Darstellung eines menschlichen Gesichts – das älteste „Porträt“ aus Rimpar. Es stellt vermutlich eine Fruchtbarkeitsgöttin oder einen verehrten Ahnen dar.

Rimpar – „Hinter der Kirche“: frühjungsteinzeitliche Gesichtsdarstellung, h=4,1 cm, 5500 – 4900 v. Chr.


Foto: Hans Winzlmaier


Zeichnung: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Ortsakte Rimpar, L. Holzner

Nach dem Ende der linearbandkeramischen Kultur sind in Rimpar keine weiteren steinzeitlichen Siedlungen sicher nachweisbar. Vereinzelte Scherben und wenige Bruchstücke von Steingeräten aus nachfolgenden Epochen (Mittelneolithikum und Jungneolithikum) lassen nicht auf eine beständige, dauerhafte Besiedelung schließen.

 

Auch die Entdeckung eines Frauengrabes aus der endjungsteinzeitlichen Kultur der Schnurkeramik (ca. 2800 – 2300 v. Chr.), im Zuge einer Erweiterung der Gasverdichterstation „Alte Würzburger Straße“ im Jahr 2020 (Flur 3. Teicht), erbrachte keine Hinweise auf eine dazugehörige Siedlung dieser Zeit.

Rimpar – Gasverdichterstation, Flur „3. Teicht“: Bestattung am Ende der  Jungsteinzeit, ca. 2800 – 2300 v. Chr., entdeckt 2020


Foto: Hans Winzlmaier

Während sich für die nachfolgende Bronzezeit (um 2000 – 1200 v. Chr.) und Urnenfelderzeit (1200 – 800 v. Chr.) in unserer Nachbarschaft Belege finden lassen (u.a. ein Grabhügelfeld im Gramschatzer Wald nahe Erbshausen), gibt es auch hier keinen sicheren Siedlungsnachweis für Rimpar.

 

Erst mit der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit 800 – 450 v. Chr.) ändert sich das. Beim Bau einer Scheune, 1929 im heutigen Bereich „Krautäcker“, wurden zwei Schalen, diverse Scherben, Hüttenlehm, 1 Metalldolch sowie zwei Grabstätten und menschliche Knochen geborgen, was eine Besiedelung durch inzwischen hier ansässige  Kelten  zeigt. Auch findet sich auf Rimparer Gemarkung in der Flur „Reuterlein“ ein Grabhügel mutmaßlich aus dieser Zeit, der allerdings schon um 1900 geöffnet wurde. Leider sind keine näheren Informationen dazu bekannt. Nicht auf Rimparer Gemarkung liegen zwei große Grabhügelfelder der Hallstattzeit im Gramschatzer Wald.

 

Ein keltisches Hiebmesser, gefunden in der Gemarkung Maidbronn und Siedlungsfunde in umliegenden Gemeinden zeigen, dass auch in der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit 400 – 15 v. Chr.) unsere Gegend von Kelten bewohnt war.

 

Das Ende der Epoche der Kelten (um 15. v. Chr.) ist bei uns gekennzeichnet durch das Einströmen von Germanenstämmen, zunächst Alamannen und Thüringer, schließlich die Franken.

 

Mit der Ausbreitung der Franken im Frühmittelalter (Merowingerzeit, etwa 481 – 751 n. Chr.) findet sich durch die Entdeckung zweier Gräber aus dem 7. Jahrhundert (freigelegt 1924 und 1966 im Bereich der Günterslebener Straße) dann der Hinweis auf eine fränkische Siedlung. In dieser Zeit entstand wohl auch der Ortsname „Rintburi“ bzw. „Rimpure“. Er bezeichnet einen Viehstall, wohl mit einer dazugehörigen Siedlung, die offensichtlich dauerhaften Bestand hatte und dann nachweislich datierbar erstmalig 1126 schriftlich erwähnt wurde.

 

Hans Winzlmaier

Quellen:

 

Arnold, Alfons: Rimpar im Schatten der Burg, Rimpar 1964
Arnold, Alfons: Nomen est Omen, Rimpar 1963
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof: Ortsakte Rimpar
Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. (Hrsg): Archäologie in Bayern – Fenster zur Vergangenheit, Regensburg 2006
Pescheck, Christian: Vor- und Frühzeit Unterfrankens, Würzburg 1961
Rufflar, Ingrid (Hrsg): Rimpar – Hinter der Kirche, Selbstverlag 2002
Winzlmaier, Hans: Spuren vergangener Jahrtausende – Zur Vorgeschichte von Rimpar, Gramschatz und Maidbronn, Rimpar 2021

In einem Liegenschaftsverzeichnis des Klosters Kitzingen aus dem 11. Jahrhundert ist zu lesen, dass das Kloster in Rimpar einen Fronhof mit 12 Bauernhöfen hatte. Diese hatten jeweils eine Hube Ackerland, Wiesen und dergleichen (1 Hube = 17 ha). In diesem Verzeichnis wird der Name Rimpar (Rintburi) zum ersten Mal genannt. Wissenschaftlich exakt kann der Name jedoch zeitlich (1070 bzw. 1100) nicht eingeordnet werden und ist folglich als Grundlage für ein Jubiläum nicht geeignet.

 

Eine weitere Klosterurkunde ist aus dem Jahr 1126 erhalten. Hierdurch ist das zeitlich und namentlich feststehende (Rimpar – Rimpure) 900-jährige Jubiläum möglich geworden.

 

In dieser Urkunde wird die Frau des Poppo von Rimpar (Rimpure) mit ihren Kindern von allen Verpflichtungen dem Kloster gegenüber freigesprochen.

 

Es ist zu vermuten, dass die von Rimpar Verwaltungstätigkeiten am Fronhof ausübten. Im 12. Jahrhundert war ein Teil der Familie bereits Würzburger Bürger, die auch Handwerksberufe ausübten und damit ihr Adelsprivileg verloren.

 

Im Jahr 1213 begeben sich die Rimparer Einwohner unter den Schutz des Würzburger Bischofs.

 

Der Würzburger Bischof Otto von Lobdeburg beurkundet: Vor ihm sind die namentlich aufgelisteten Einwohner von Rimpar erschienen und haben ihre Besitzungen im Dorf Rimpar der Würzburger Kirche übergeben. Danach haben sie diese vom Bischof gegen Reichung eines jährlichen Zinses zu Erbrecht zurückerhalten.

 

Es folgt eine Liste der Einwohner und der von ihnen zu leistenden Weizenabgaben. Die Abgaben haben sie zwischen 15. August und 8. September zu leisten.

 

Der Bischof nimmt nun die Einwohner in den Schutz der Würzburger Kirche. Er verspricht ihnen, dass die übergebenen Güter weder verkauft noch verpfändet werden oder auf andere Weise der Würzburger Kirche entfremdet werden dürfen.

 

Die Namen der aufgeführten Rimparer Einwohner sind Vornamen und haben mit unseren heutigen Namen keine Verbindung.

 

Im Jahr 1243 starb das bei den Kaisern hoch angesehene edelfreie Geschlecht von Grumbach zu Burgrumbach im Mannesstamm aus.

 

Die Güter kamen an ihren Verwandten, den Grafen von Rieneck. Im gleichen Zeitraum entstand ein neues Niederadelsgeschlecht aus der Familie derer von Wolfskeel. Diese nannten sich später Grumbach. Beide Familien, Wolfskeel und Grumbach, haben das gleiche Wappen: auf goldenem Grund einen Mohr, der in der rechten Hand drei rote Rosen hält.

Rimpar Grumbach-Wappen im Rittersaal


Foto: Hans Winzlmaier

Eberhard, der Begründer der Rimparer Linie, kaufte 1328 von den Grafen von Rieneck 2/3 der Burg zu Burggrumbach. Das letzte Drittel der Burg kaufte Wiprecht von Grumbach von Ulrich von Hanau. Der Kaufvertrag des Eberhard beinhaltet auch die Besitzungen, die die Grafen von Rieneck in Rimpar innehatten, darunter auch den Fronhof des Klosters Kitzingen (der ehemalige Niederhof).

 

Während des 14. Jahrhunderts gab es in Rimpar noch keine Burg, sondern feste Häuser, die allerdings nur eine geringe Wehrhaftigkeit hatten. Der erste Hinweis über eine Befestigungsanlage ist aus einem Teilungsvertrag von 1469 zwischen den Brüdern Eberhard und Heinz von Grumbach zu ersehen. Hier wird der große Turm erwähnt, der allerdings nur eine Höhe bis zur Traufe des Südflügels hatte. Auch wird erwähnt, falls man den Turm höher bauen wolle, soll jeder der beiden 50 Gulden dazu geben.

 

Das Grabmal des Eberhard ist ein Frühwerk von Tilman Riemenschneider und befindet sich in der kath. Pfarrkirche in Rimpar. Es werden zwei Wohngebäude, der Torturm und der Brunnen aufgeführt.

 

In der nachfolgenden Zeit sind große Bautätigkeiten zu vermuten. Im Lehensvertrag von 1499 des Konrad von Grumbach und dem Hochstift Würzburg wird erwähnt: ein Schloss mit seinen Türmen, Toren, Kemenaten (Wohngebäuden), Zwingern, Gräben, …..

 

Es entstanden der Südflügel mit Treppengiebel und seinen seltenen Vorhangbogen – Fenstern, der große Turm wird erhöht, allerdings um ein Stockwerk niedriger als heute (1558 wird er als hoher Turm mit Schlaguhr bezeichnet), dann die westliche Burgmauer mit 4 Türmen und 24 Schießscharten.

 

Eine herausragende Persönlichkeit des 15. Jahrhundert aus der Rimparer Linie war Johann III., Fürstbischof von 1455 — 1466. Er ließ das Fränkische Herzogsschwert anfertigen, das heute in der Schatzkammer der Münchner Residenz liegt. Zu seiner Bürgerschaft hatte er ein gutes Verhältnis, Missstände in den Gewerben wurden behoben. Beim Papst erreichte er, dass die Juden unter allgemeinen Reichsschutz gestellt wurden. Es entstand eine neue Feuerordnung. Unter seiner Regierung kam ein päpstlicher Erlass, dass die Glocken am Tag dreimal lauten sollten. Fürstbischof Johann III. von Grumbach verstarb am 11. April 1466.

 

Eine bedeutende Gestalt des 16. Jahrhunderts war der 1503 geborene Wilhelm von Grumbach, Sohn des Konrad von Grumbach und der Eva von Schwaigern. In seine Amtszeit fiel der überwiegend in Franken wütende Bauernkrieg 1525. Der Bauernkrieg hat auch seine Spuren am Schloss hinterlassen. Der Treppengiebel der Westfassade mit anschließendem Dach wurde durch Brand zerstört und musste folglich neu errichtet werden. Im Dachgebälk sind einige Sparren erhalten, deren Alter in die Jahre 1525 bzw. 1526 datiert werden konnte. Dass Florian Geyer, der bekannte Bauernführer, der Schwager des Wilhelm von Grumbach gewesen sei und dieser ihn habe ermorden lassen ist nicht nachweisbar. Im Jahr 1528 -1541 war Wilhelm im Dienst des Hochstifts Würzburg als Amtmann von Dettelbach und Stadtschwarzach. Auf Bitte des Kaisers wird er Berater des unbändigen Markgrafen Albrecht Alcibiades und im gleichen Jahr Hofmarschall des neuen Fürstbischofs Konrad von Bibra. Im Jahr 1544 starb der Fürstbischof.

 

Unter seinem Nachfolger Melchior von Zobel kommt es zwischen ihm und Wilhelm zu Unstimmigkeiten. Er tritt deshalb in den Dienst des Markgrafen Albrecht Alcibiades und wird 1551 Statthalter der Markgrafschaft Kulmbach – Bayreuth. Im Jahr 1553 werden sämtliche Grumbachschen Güter von Fürstbischof Zobel konfisziert unter der Maßgabe, Grumbach sei ein Landfriedensbrecher, da er den Markgrafen im Krieg u.a. gegen Würzburg unterstützt hatte. Nach fünf erfolglosen Jahren Rechtsstreit versuchte Wilhelm, den Bischof gefangen zu nehmen, um ihn nach Frankreich zu entführen (er war seit 1557 Oberst der Krone Frankreichs). Die Entführung misslang und der Bischof wurde hierbei getötet.

 

1563 überfiel Wilhelm von Grumbach die Stadt Würzburg, um seine Güter zurückzuerhalten. Deshalb wurde er vom Kaiser Ferdinand I. und später von Kaiser Maximilian II. als Landfriedensbrecher geächtet. Nachdem ein kaiserliches Exekutionsheer seinen derzeitigen Aufenthaltsort, die Stadt Gotha, eingenommen hatte, wurde er am 18.4.1567 auf dem Marktplatz in Gotha auf grausamste Art hingerichtet. Wilhelm von Grumbach wurde nicht erstrangig wegen der Ermordung von Fürstbischof Melchior von Zobel hingerichtet, sondern wegen Landfriedensbruchs und einer befürchteten Adelsrevolution gegen die Fürsten.

Wilhelm von Grumbach
Holzschnitt von Peter Gottland, um 1567

Nach dem Tod des Wilhelm von Grumbach hatte sein Sohn Konrad viele Fürsprecher und versuchte mit einem Fußfall bei Fürstbischof Wirsberg zu erreichen, dass er seine Güter wieder erlangen könne. Er musste schließlich 50 000 Gulden zahlen und konnte einen Teil seiner Güter nur als Lehen zurück erhalten. War kein Geld vorhanden, erpresste er es von seinen Untertanen. Dies zeigt ein 10seitiger Brief, den sein Schutzjude Schmul Jud an den Kaiser richtete. In diesem schilderte er die Erpressungen gegen ihn und seine Familie. Des Weiteren lieh Konrad sich häufig Geld, ohne es zurückzuzahlen.

 

Im Jahr 1593 musste Konrad das Schloss und seine Liegenschaften an das Hochstift Würzburg verkaufen. Da Konrad und seinem Sohn Wilhelm wegen der noch ausstehenden Schulden der Boden zu heiß wurde, flohen sie nach Böhmen. Vor dem Reichskammergericht in Regensburg 1596 erreichten die Gläubiger, dass das noch vorhandene Eigentum von Konrad und seinem Sohn unter Zwangsverwaltung des Fürstbischofs kam. Die adelige Lawinia von Russwurm setzte durch, dass beide, Vater und Sohn Grumbach in die Reichsacht kamen. Daraufhin flohen beide ins kaiserliche Asyl in Roth bei Nürnberg. Sie wurden im Jahr 1599 aufgefordert nach Würzburg zu kommen.


Allerdings kam nur Konrad und wohnte bei seinen Sohn Wolf in Schwanfeld.
Im gleichen Jahr starb Konrad völlig verarmt und danach seine Söhne 1601 und 1603. Damit war die Rimparer Grumbachlinie ausgestorben. Ihr Nachruf war denkbar schlecht, die Ritterschaft bezeichnete die Grumbachsche Sippe als ,,schlimme böse Raben legen ein böses Ei“.

 

Ab dem Jahr 1593 war das Schloss fürstliches Landschloss geworden. Bereits vor dem Kaufvertrag, der 1593 abgeschlossenen wurde, war der Rohbau des Ostflügels fertig gestellt. Dies dokumentiert ein sogenannter Feierabendziegel (der letzte Ziegel eines Daches) mit Echterwappen und der Jahreszahl 1592. Fürstbischof Julius Echter ließ das prächtige Innentor errichten und den Brunnen neu gestalten, darüber hinaus den großen Turm um ein Stockwerk erhöhen. Sämtliche Türme erhalten sogenannte ,,Welsche Hauben“. Im Innern der Gebäude werden, außer den Rittersälen, die Räume umgestaltet.

 

Unterhalb des Schlosses entstehen 1601 ein kleiner Hofgarten mit einer Fontäne und das sogenannte Lusthaus mit Arkaden und einem Treppenturm. 1614 wird das prächtige Rathaus am Marktplatz mit einer Schenke erbaut. In den Jahren 1607 -1609 wird die Kirche, vor allem der Turm, erneuert. Julius Echter war sehr häufig in seinem Lusthaus, vor allem, wenn die Pest in Würzburg wütete. 

Fürstbischof Julius Echter mit dem Rimparer Schloss; Besitz: Katholische Kirchenstiftung Rimpar


Foto: Hans Winzlmaier

Nach dem 3o-jährigen Krieg waren im Schloss umfangreiche Sanierungen der Gebäude- und Turmdächer erforderlich und am Brunnen eine eingestürzte Mauer neu hochzumauern. Die Fürstbischöfe besuchten wieder ihr Schloss. Verbürgt sind die Fürstbischöfe von Dernbach, von Guttenberg, von Greiffenclau, Johann Philipp Franz von Schönborn und Friedrich Carl von Schönborn. Mitte des 18. Jahrhunderts ist der letzte Besuch eines Fürstbischofs verzeichnet. Ab da ist das ehemalige fürstliche Schloss zu einem einfachen Landschloss degradiert worden. Bedingt durch den schlechten baulichen Zustand beschloss die Fürstliche Hofkammer 1780 das Schloss in Rimpar einzulegen. Im gleichen Jahr begannen die Abbrucharbeiten, die bis in die 1790er Jahre andauerten. Der Westflügel wurde bis auf nahezu Hofniveau abgetragen, die Gräben zugeschüttet und sämtliche ,,Welsche Hauben” der Türme durch stumpfe Kegelhauben ersetzt.

 

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 war im Schloss ein Forstamt bzw. eine Revierförsterei untergebracht. Pfarrer Müller schreibt in seinen Aufzeichnungen “in dem altfränkischen, mit vielen Wappen geschmückten Rittersaal wo einst frohe Becher kreisten, werden heute Erbsen und Wicken gedroschen.“

Schloss Grumbach, Ostflügel mit Juliusturm


Foto: Nadja Kess

Edwin Hamberger 

Quellen:
Autor Edwin Hamberger
Bauliche Forschungen
Das Niederadelsgeschlecht derer von Rimpar
Historische Urkunden von Rimpar,
Das Fürstliche Landschloss zu Rimpar im 17. und 18. Jahrhundert
Das Schloss zu Rimpar, von der Burg zum Schloss
Wilhelm von Grumbach, ein fränkischer Reichsritter

Als Auswirkung der französischen Revolution 1789 begann mit der Kriegserklärung Frankreichs 1792 an Österreich eine unheilvolle Kriegsperiode für unser Land, die erst im Jahr 1815 mit der Schlacht bei Waterloo und der endgültigen Niederlage Napoleons endete.

 

1796 stieß der französische General Jourdan mit 76.000 Mann in das fränkische Gebiet vor und besetzte Würzburg. Truppen mussten von der Bevölkerung  verpflegt werden, Franzosen zogen plündernd durch die Dörfer. 60 französische Dragoner hatten im Schlosshof in Rimpar ein Lager errichtet, forderten Nahrungsmittel, erpressten Geld und beraubten  Einwohner.

 

In der Schlacht von Würzburg bei Kürnach/Estenfeld/Maidbronn siegte Erzherzog Karl von Österreich über General Jourdan.

 

In der folgenden napoleonischen Zeit wurde Franken wiederholt Aufmarsch- und Rückzugsgebiet von Truppen mit den entsprechend schlimmen Folgen für die Bevölkerung wie Einquartierungen, Rekrutierung junger Männer, eingeforderte Verpflegung von Truppen und Pferden, die unsere Dörfer an den Rand des Ruins brachten. So lagerten etwa im Jahr 1800  600 Soldaten 74 Tage in Rimpar, bayerische Kavallerie verbrachte 1802 drei Monate hier, 1805 rückten 800 Franzosen für 3 Tage ein, weitere Einquartierung französischer Soldaten erfolgte 1806, und 1813, als sich das Kriegsglück gegen Napoleon gewendet hatte, fielen 3000 Kosaken über Rimpar her, hielten Biwak hier und raubten Verpflegung. Als sie weiterzogen „waren die Tröge leer und 3 Bauern lagen erschlagen“. (Arnold 1965, S. 190)

 

Da Napoleon das Kurfürstentum Bayern als Verbündeten stärken wollte, war bereits im Februar 1802 zwischen Paris und München ein Übergang der fränkischen Bistümer, damit auch des Fürstbistums Würzburg, an Bayern vertraglich abgesprochen worden. Schon im Vorgriff besetzte Bayern dann diese militärisch. Die Reichskirche wurde entmachtet (Säkularisation 1803), Klöster und Kirchen aufgelöst und auch geplündert. So verbrachte man z.B. das prunkvolle fränkische Herzogsschwert des aus der Rimparer  Grumbach-Linie stammenden Fürstbischofs Johann III. (reg. 1455 – 1466) nach München, wo es Teil der Schatzkammer des Herrscherhauses der Wittelsbacher wurde.  Nach dem Frieden von Preßburg (Dezember 1805) wurde Bayern am 1. Januar 1806 offiziell zum Königreich erhoben und erhielt u.a. das Fürstbistum Würzburg und damit auch Rimpar. Nach kurzem Besitzwechsel (noch 1806 in einem Ländertausch an Großherzog Ferdinand III. von Toskana) fiel es 1814 endgültig an das Königreich Bayern.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts lebten drei Viertel der Bewohner Frankens von der Landwirtschaft,  wobei die Handwerker ebenfalls zumeist auf einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb angewiesen waren. Auch Rimpar war ein bäuerliches Dorf, die Haupterwerbsquellen bildeten der Ackerbau, die Viehzucht, die Forstwirtschaft und der Weinbau, der allerdings ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch Schädlinge und Pilzerkrankungen (Reblaus und Mehltau) drastisch zurückging.

 

Durch Missernten (1816/17), Hungersnöte (1846/47) und restriktive Gesetze (z.B. fehlendes Recht auf freie Niederlassung; Verheiratung nur mit staatlicher Erlaubnis bei Grundbesitz-  bzw. Vermögensnachweis oder gesicherter Anstellung – Knechte, Mägde, Dienstboten konnten somit keine Ehe schließen) kam es zu einer Auswanderungswelle.

 

Zwischen 1844 und 1850 gingen aus Rimpar u.a. drei Söhne des jüdischen Bürgers Abraham Löw Lehmann nach Amerika und bauten in Montgomery/Alabama die Firma „Lehman-Brothers“ auf. Später wurde der Firmensitz nach New York verlegt und dort das bekannte gleichnamige Bankhaus gegründet.

Rimpar – Marktplatz; Lithografie 19. Jahrhundert


Foto: Hans Winzlmaier

In Rimpar war die Kirche in schlechtem baulichen Zustand und es herrschte eine schon lange währende Raumnot – die Bevölkerung war bis 1843 auf über 1700 Personen angewachsen. Nach fast sechsjährigem zähen Kampf gegen die Behörden, aber auch gegen Widerstände aus der Gemeinde, erreichte Pfarrer Michael Müller, dass von 1849 – 1854 der Bau der neugotischen Kirche in Rimpar erfolgte. Dabei wurde die ursprüngliche West-Ost-Richtung aufgegeben und die neue Kirche nach Süden ausgerichtet. Der gotische Chorraum aus dem Spätmittelalter im Glockenturm blieb erhalten und man stellte nach dem Abriss der alten Grumbachgrablege  die noch erhaltenen Grabmale darin auf, darunter das erste bekannte Werk Tilman Riemenschneiders. Leider hatte man die ehemals 14 Grumbachischen Grabmäler bereits als Bauschutt entsorgt und nur die Hälfte konnte gerettet werden.

 

Auch die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Rimpar wurde zu dieser Zeit, 1852, renoviert und erweitert (Treppenturm).

 

Allmählich erfolgte ein Übergang vom Agrar- zum Industriestaat, der für die einfachen Arbeiter und Taglöhner allerdings vielfach auch Entbehrungen und Armut brachte.

 

Die Industrialisierung veränderte das Leben vieler Menschen grundlegend. Es entstand ein Bedürfnis nach neuen Formen des Zusammenhaltes und der Freizeitgestaltung. Auch wollte ein aufstrebendes Bürgertum mehr Selbstbestimmung und kulturelle Teilhabe außerhalb staatlicher oder kirchlicher Strukturen. So wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Vereine gegründet, auch in Rimpar z.B. 1861 der Liederkranz und 1885 der Schützenverein (Schützengilde).

 

1854 wurde Würzburg an das bis dahin bestehende Eisenbahnnetz angeschlossen. Das gängige Beförderungsmittel für Rimpar bis 1907 war allerdings die Postkutsche, mit Station am „Gasthaus zum goldnen Hirschen“ (auch „Gasthaus zum Hirschen“, später „Zur Post“). Sie wurde dann durch das Postauto ersetzt.

Rimpar – „Gasthaus zum Hirschen“; Lithografie 19. Jahrhundert


Foto: Hans Winzlmaier

1866 brachte der „Bruderkrieg“ zwischen Österreich/Bayern und dem letztendlich siegreichen Preußen um die Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum erneut Einquartierungen von Truppen in Rimpar und damit entsprechende Belastungen für die Bevölkerung und die Gemeindekasse.

 

Am 19. Juli 1870 brach der Deutsch-Französische Krieg aus, da Frankreich eine Einigung der verschiedenen deutschen Staaten unter Führung Preußens fürchtete und seine Vormachtstellung in Europa gefährdet sah. Der Krieg endete 1871 mit einem Sieg des deutschen Staatenbundes und der Proklamation des Preußenkönigs Wilhelm I. zum deutschen Kaiser. Bayern wurde nun Teil des neuen „Deutschen Kaiserreiches“ (1871 – 1918).

 

Als Andenken an diese beiden Kriege wurde in Rimpar 1903 ein Ehrenmal errichtet, das die Namen der Kriegsteilnehmer, einschließlich der drei gefallenen Soldaten, enthielt und vor der Kirche aufgestellt wurde. 1952 versetzte man  es in den alten Friedhof.

 

Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland, auch Rimpar wandelte sich. Mehrere Ziegelfabriken wurden gegründet („Ziegelhütten“), aus dem „bäuerlichen“ Rimpar wurde allmählich ein Maurerdorf. Dies auch aufgrund einer wachsenden Bevölkerung. Die landwirtschaftlichen Höfe waren durch Erbteilung immer kleiner und unrentabler geworden.

Rimpar – Ziegelhütte Josef Schömig an der Bachgasse; Lithografie 19. Jahrhundert


Foto: Hans Winzlmaier

1887, am 2. Mai, wurde Rimpar von einem schlimmen Unwetter heimgesucht, das der damalige Forstmeister Ley, der einen Hilfeaufruf für die Bewohner verfasste, so beschrieb: „Ein Wolkenbruch fiel auf der Flurmarkung nieder. Die Fluten wälzten sich zu Tal, verheerten Äcker und Weinberge, setzten einen großen Teil der 2347 Seelen zählenden Ortschaft unter Wasser und Schlamm, rissen Gebäude und Mauern ein, schwemmten Mobilien fort, erstickten das Vieh in den Ställen und beschädigten sogar den Straßenkörper an mehreren Stellen.“ (Hamberger, 1995, S. 3)

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man in der königlich-bayerischen Regierung  die Notwendigkeit einer Reform des Bildungswesens, insbesondere den Bedarf an neuen Schulen.

 

In Rimpar hatte man schon 1820 ein „neues Schulhaus“ zwischen Kirche und Friedhof errichtet.  1865 erfolgte die Einrichtung einer Mädchenschule („Schwesternschule“) im ehemaligen Echterschen Lust- und Gartenhaus in der Niederhoferstraße. 1874-76 wurde schließlich die Knabenschule in der Hofstraße erbaut.

 

Hans Winzlmaier

Quellen:
Arnold, Alfons: Rimpar, im Schein der Fürstenherrlichkeit, Rimpar 1965
Arnold, Alfons: Rimpar, im Lichte der Gegenwart, Rimpar 1969
Dusel, Günter / Mais, Martin: Im Wandel der Zeit, Würzburg/Burggrumbach 2014
Hamberger, Edwin: Das alte Rimpar, Maidbronn und Gramschatz, Rimpar 1995
Kolb, Peter / Krenig Ernst-Günter (Hrsg): Unterfränkische Geschichte Band 4/1, Würzburg 1998
Mintzel, Hannelore: Die unbekannte Welt von nebenan – Rimparer Häuser, Rimpar 2022
Zürrlein, Richard: Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul Rimpar, Kunstführer, München, 1988

 

Internetquellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers, 30.03.2025
https://www.alemannia-judaica.de/rimpar_synagoge.htm#Zur%20Geschichte%20der%20jüdischen%20Gemeinde, 30.03.2025
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Fr%C3%A4nkisches_Herzogsschwert, 09.07.2025

Die Rimparer feierten wie in ganz Deutschland den Jahrhundertwechsel, doch schon bald zeichnete sich durch das intensive Wettrüsten und Machtstreben der europäischen Großmächte der drohende 1.Weltkrieg ab. Beim Ausbruch 1914 zogen auch die Rimparer wehrfähigen Männer meist begeistert in den Kampf und hofften auf ein baldiges Ende. Die vier Kriegsjahre brachten für viele Familien im Ort den Tod geliebter Angehörigen an der Front oder im Lazarett. In der von Dr. Borges erbauten Jugendstil-Villa in der Hofstraße errichtete man ein von Schwestern betreutes Feldlazarett. Der jüdische Arzt Dr. Michael Mayer versorgte die Verletzten.

Villa Borges
Postkarte, Gemeindearchiv Rimpar

Nach Kriegsende erstellte man für die Gefallenen des Ortes ein Denkmal an der hinteren Friedhofsmauer. Schon während des Krieges litten die Menschen in der Heimat große Not, doch in der Nachkriegszeit verschlimmerte sich die Versorgungssituation durch die Lasten des Diktatfriedens von Versailles dramatisch. Die große Arbeitslosigkeit zwang die Maurer sich in fernen Städten an großen Bauprojekten zu beteiligen. Somit waren sie oft monatelang von ihren Familien getrennt. Bei einer Explosion auf einer Baustelle in Oppau verunglückten am 21. September 1921 sieben Bauarbeiter aus Rimpar. Zum Gedenken an die Opfer errichtete man ein Jahr später auf dem Friedhof das „Oppauer Denkmal“ und ein Wegekreuz am Ortsausgang Austraße. Um der Wohnungsnot und der hohen Arbeitslosigkeit abzuhelfen, startete der damalige Bürgermeister Donat Grömling gemeinsam mit Pfarrer Josef Heeger zahlreiche Bauprojekte. Im Februar 1920 baute man eine ortseigene Wasserleitung aus, errichtete das Pumphaus und ermunterte die Einwohner die notwendigen Hausanschlüsse zu graben. Neue Baugebiete wurden erschlossen, Rimpar wuchs. In dieser Aufbruchphase nach dem 1. Weltkrieg gründete man in Rimpar zahlreiche neue gesellschaftliche, sportliche, kulturelle und politische Vereine. Die Jungen orientierten sich nicht mehr an den Berufen der Eltern, sondern einige besuchten das Gymnasium in Lohr oder wählten neue Berufe. Rimpar wandelte sich vom Bauern- und Maurerdorf zu einem Ort mit vielfältigen Berufen.

 

Schon in der Zeit der Weltwirtschaftskrise wandten sich einige Rimparer der aufstrebenden Partei der Nationalsozialisten zu. Bei einem Einsatz der SA erlitt der 50-jährige Oberwachtmeister Purps aus Heidingsfeld auf dem Weg nach Güntersleben einen Herzinfarkt und starb. Nach der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 änderte der rasch ausgewechselte Gemeinderat unter Bürgermeister Ignaz Gessner die Straßennamen in Rimpar: aus der Günterslebener Straße wurde Purps-Straße, die Austraße zur Adolf-Hitler-Straße und die Niederhofer Straße zur Hindenburgstraße. Um die Umwandlung zur Nazi-gerechten Ortschaft rasch und problemlos zu vollziehen, ließ man Andersdenkende (SPD und KPD) in „Schutzhaft“ nehmen und sperrte sie auf der Festung oder in Dachau ein. Trotzdem regte sich Widerstand. Bei der Einweihung der neuen Zentralschule 1938 in der Neuen Siedlung bemängelten die Besucher, dass in den Klassenzimmern nur ein Hitlerfoto hing, aber keine Kreuze. NS- Bürgermeister Gessner versuchte vergeblich den anhaltenden Protest zu ignorieren, musste aber klein beigeben- die Kreuze wurden aufgehängt. Die Vertreibung der jüdischen Bürger konnte nicht verhindert werden. Gessner meldete 1942 Rimpar als „Judenfrei“! Der am 1. September 1939 durch Hitler entfesselte 2. Weltkrieg brachte wieder viel Leid und Tod nach Rimpar. Die zahlreichen Gefallenen stehen namentlich an einer Gedenkwand unterhalb der Pfarrkirche. Der Künstler Julius Bausenwein schuf dazu passend die „Trauernde“ davor.

 

Der Ort Rimpar erlitt während des Krieges nur geringe Gebäudeschäden und kam einigermaßen glimpflich davon. Gegen Ende des Krieges wurden die Glocken eingezogen, die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich. Dramatisch wurde es hier nach dem Angriff am 16. März 1945 als Rimpar ca. 4000 ausgebombte Würzburger aufnehmen musste, zusätzlich zu gleich viel Einwohnern. Das zerstörte Juliusspital verlegte man in die Zentralschule, in der am 30. Mai 1948 Bischof Matthias Ehrenfried starb. Die Besetzung Rimpars durch die USA- Truppen verlief dank besonnener Personen konfliktfrei, doch die Sieger requirierten Wohnraum, der durch die ca. 300 Heimatvertriebenen aus dem Osten noch knapper wurde. Die Wohnraumenge, der Mangel an Versorgungsgütern und Störungen im Wassernetz verursachten eine Typhus-Epidemie im Ort, der viele- auch junge Menschen- zum Opfer fielen. Das Quarantäne- Lazarett verlegte man in das Gasthaus Zur Post am Markt. Als am 22. Mai 1947 die geretteten Glocken aus Hamburg zurückkehrten, feierte das ganze Dorf. Bei der politischen Neuordnung nach dem verlorenen Krieg wirkte Bürgermeister Engelbert Kraus als Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung entscheidend mit. Vier Wahlperioden vertrat er Gemeinde- und Landkreisinteressen im Bayerischen Landtag. Bald entfaltete sich nach der Währungsreform eine rege Bautätigkeit. Neue Baugebiete in den Krautäckern und am Schleifweg entstanden, das neue Postgebäude vor der Alten Knabenschule wurde gebaut. Industrie z.B. die Firma Reinfurt siedelte sich an.

 

Rimpar wuchs stetig und veränderte sich stark. Für den Bau eines neuen Kindergartens 1959 brach man leider die Villa Borges (Hofstraße 10) ab. Auch der denkmalwürdige Niederhof mit gotischen Bauelementen fiel der Modernisierung zum Opfer. 1964 entstand ein neues Schwesternhaus. Auch im Innern der Pfarrkirche vollzog sich ein tiefgreifender Wandel: Pfarrer Bauer entfernte im Zuge der Modernisierung die alte Kanzel, die Kommunionbank, die Steinmeyer Orgel und die kleine Holz- Empore. Die Pleichach wurde reguliert und im Lauf verändert; der um das Schloss herumlaufende „Gäulbach“ in der Bachgasse verschwand. Die neu entstandene evangelische Kirchengemeinde erhielt im Greiffenclau-Saal des Grumbachschlosses ihren Gottesdienstraum. 1972 teilte man die Rimparer Volksschule aufgrund der angewachsenen Schülerzahl in Grund- und Hauptschule und baute für letztere in der Nähe des Friedhofs ein modernes Betongebäude mit Turnhalle und Hallen-Schwimmbad. Am 1. Mai 1978 wuchs Rimpar durch die Eingemeindung der beiden Ortsteile Maidbronn und Gramschatz zur zweitgrößten Ortschaft im Landkreis. Eine der bedeutsamsten Entscheidungen war 1990 der Kauf des Grumbach- Schlosses durch die Gemeinde unter Bürgermeister Anton Kütt.

Schloss Rimpar um 1975


Foto: Prof. Dr. Detlef Busche

Dem Gebäude drohte der Zerfall, nur einige wenige Räume nutzte das staatliche Forstamt. Das Jahr 1973 brachte das Ende des Forstamts. In einem Schreiben vom 4.4.1978 richtete der damalige Landtagsabgeordnete Christian Will an den Staatssekretär der Finanzen Albert Meyer ein Schreiben, dass das Schloss als Rathaus genutzt werden sollte. Bürgermeister Anton Kütt und Staatssekretär Albert Mayer begrüßten dies. Da es 1980 keine positive Stimmung für einen Kauf gab, gründete Edwin Hamberger die Interessengruppe Freundeskreis Schloss Grumbach, um durch Schlossführungen und Vorträge das Interesse an diesem Gebäude zu wecken. Im Juli 1980 stimmte der Marktgemeinderat einstimmig dem Kauf des Schlosses zu.

 

Großzügige Zuteilung von staatlichen Fördermitteln mit Hilfe von MdL Christian Will und auch Eigenleistung durch den Freundeskreis Schloss Grumbach ermöglichten einen denkmalgerechten Umbau. Nach einer vierjährigen Sanierung, die ca. 6 Millionen DM kostete, wobei der Freistaat Bayern 50 % bezuschusste, konnte die Verwaltung 1985 einziehen. Vom Freundeskreis Schloss Grumbach, der 1980 gegründet wurde, entstanden in mühevoller Arbeit im Jahr 2000 die Schlossmuseen.

Mitglieder des Freundeskreises Schloss Grumbach mit dem 1. Bürgermeister Anton Kütt bei Sanierungsarbeiten am Schloss

 

Foto: Kurt Mintzel in: Hamberger, Edwin: 40 Jahre Freundeskreis Schloss Grumbach, Rimpar 2019

Heute ist das Schloss Sitz der Gemeindeverwaltung und gleichzeitig kultureller Mittelpunkt des Ortes.

 

Hanne Mintzel

Quellen:
Alfons Arnold: Chronik, Bd.3 Rimpar, im Lichte der Gegenwart
Archiv Mainpost
Archiv Gemeinde Rimpar

Das Millennium startete in Rimpar mit der Eröffnung der Rimparer Schlossmuseen. Im Jahr 2000 wurden das Archäologische-, das Bäckerei- und das Kriminalmuseum im Schloss Grumbach eröffnet, im Jahr 2010 folgten dann das Maurer- und Zimmerermuseum und das Trachtenmuseum.

Blick auf die Vitrinen im Archäologischen Museum


Foto: Nadja Kess

2002 wurde Burkard Losert zum Bürgermeister des Marktes Rimpar gewählt und bekleidete das Amt bis 2020. Ihm folgte Bernhard Weidner.

 

Die Programme des 2007 eröffneten Walderlebniszentrums Gramschatzer Wald laden nicht nur Rimparer, sondern auch Landkreisbewohner und Touristen jeden Alters zu informativen, praktischen und unterhaltsamen Themen ein. Zu erreichen ist es über den im gleichen Jahr ausgebauten Rad- und Wanderweg von Rimpar über den Burggrumbacher Graben zum Waldhaus Einsiedel. Informative Wanderwege sind auch der Europäische Kulturweg (2010) mit seinen zwei Routen oder der Bachrundweg (2011). Ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Einheimische ist der 2016 eingeweihte „Kobel“ am Kobersberg mit seinem Weinwanderweg. Am magischen „terroir-f“ – Punkt können sich die Wanderer auf den aufgestellten Liegen ausruhen oder einfach die Aus- und Weitsicht genießen. Übrigens erreichte der Rimparer „terroir-f“- Punkt bei der BR Sendung „Bayerns schönster Fleck“ den dritten Platz und wurde 2025 vom Fränkischen Weinland ausgezeichnet. Auch im MDR war er schon in einem Beitrag zu sehen.

Der magische Ort in Rimpar – der terroir f – Punkt am Kobel auf dem Rimparer Kobersberg


Foto: Nadja Kess

Was in Rimpar immer besonders wichtig war ist der soziale Aspekt. Um auf die veränderten Verhältnisse zu reagieren und den jungen Eltern die Möglichkeit zu geben bald ins Arbeitsleben zurückzukehren wurden in den Rimparer Kita-Einrichtungen von 2004 – 2009 vier Kinderkrippen eingerichtet. 2006 wurde der Kinderhort „Rimparer Strolche“ errichtet. Einige Jahre später folgte der Bau des Kinderhortes „Tintenklecks“ an der Maximilian-Kolbe-Schule und der Bau einer Kinderkrippe im Kindergarten Rappelkiste in der Schäfereistraße. Die Kita „Bachzwerge“ wurde 2023 eröffnet. Bei der Eröffnung war auch Judith Gerlach, die damalige Bayerische Staatsministerin für Digitales, zu Gast. Die Matthias-Ehrenfried-Schule und der dortige Parkplatz wurden generalsaniert und der Pausenhof der Maximilian-Kolbe-Schule neugestaltet. Nachdem besonders die Hauptschule durch die verstärkten Übertritte an weiterführende Schulen Schüler verlor, wurde der Marktgemeinderat am Ende des Schuljahres 2023 gezwungen die Schließung zu verfügen. Die Schüler besuchen jetzt die Schule in Unterpleichfeld. Das Gebäude der Matthias-Ehrenfried-Grundschule in der Neuen Siedlung hat die Gemeinde 2023 an den Landkreis verkauft. Das Gebäude in der Neuen Siedlung wird dann umgebaut. Ab dem Schuljahr 2026/27 beginnt der Unterrichtsbetrieb einer Förderschule. Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule ziehen ab Schuljahresbeginn im Herbst 2025 in die ehemalige Maximilian-Kolbe-Schule. Diese heißt dann Matthias-Ehrenfried-Schule.

 

Ein Thema das von 2000 bis 2025 immer mehr in den Fokus gerückt ist, ist die Umwelt. Auch in Rimpar hat sich hier einiges getan. So wurde 2007/08 die Holzhackschnitzelheizung mit Nahwärmeversorgung für die Alte Turnhalle, den Kinderhort „Rimparer Strolche“ und die Matthias-Ehrenfried-Schule gebaut. Letztere wurde eine von deutschlandweit 70 ausgezeichneten energieeffizienten Schulen. 2015 wurde die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Durch die Umrüstung kann 65% Energie eingespart werden. 2017 wurde das Gebäude der Hackschnitzelheizung mit Anschluss der Maximilian-Kolbe-Schule und der Dreifachsporthalle fertiggestellt. 2018 folgte die Fernwärmeleitung mit Anschluss der kommunalen und kirchlichen Gebäude (Dreifachsporthalle, DJK-Halle, Maximilian-Kolbe-Schule, Kirche, Jugendheim, Pfarrhaus, Herrngasse 13, Bischof-Schmitt-Haus, Schwesternheim, Altes Rathaus und Ratsapotheke, Alte Knabenschule, Schlossmühlkindergarten, Schloss). Das geplante Ärztehaus in der Niederhoferstraße hat bereits einen Grundstücksanschluss. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger fahren Elektroautos, so dass 2018 in der Hofstraße eine E-Ladesäule eingerichtet wurde.

 

In der Zeit von 2000 – 2025 wurden einige Bauprojekte verwirklicht. Wie viele andere Orte hat auch Rimpar mit vielen, teils großen Wasserrohrbrüchen zu kämpfen, die Rohre sind in die Jahre gekommen. Dies machte auch die Instandsetzung der Kanal- und Wasserleitung mit Erneuerung der Fahrbahndecke in der Weinbergstraße dringend nötig. In der Straße „Zur Veitsmühle“ wurde die Wasserleitung ebenfalls komplett saniert.

 

Die alte Turnhalle in der Neuen Siedlung wurde generalsaniert, ebenso die Alte Knabenschule als „Haus der Vereine“ fertiggestellt. In der Hofstraße wurde mit dem Bau der neuen Ortsmitte begonnen. Mit dem Abbruch des ehemaligen Postgebäudes war zwischen dem alten Rathaus und der Alten Knabenschule nun der Weg frei für den Bau des „Platzes der Partnerschaft“. Das helle Pflaster und die eingebauten Wasserspiele laden Groß und Klein zum Verweilen ein.

Einst stand hier das „Alte Postgebäude“ – jetzt lädt der neu geschaffene „Platz der Partnerschaft“ zum Verweilen ein.


Foto: Nadja Kess

Zur neuen Ortsmitte gehörten auch der Vollausbau und die Pflasterung der Hofstraße. 2018 wurde die neue Ortsmitte in der Hofstraße um ein weiteres Highlight reicher: die Pleichachterrassen wurden eröffnet. Neben einem schön gestalteten Bereich an der Pleichach mit Sitzgelegenheiten, gibt es dort auch eine Boule-Bahn und ein Karussell für Kinder. Auch der Bücherschrank, ein altes Telefonhäuschen mit Bücherregalen, erfreut sich großer Beliebtheit und unterstreicht den Zweck des Platzes – die Begegnung. Parkplätze wurden an der „Alten Schmiede“ in der Niederhoferstraße und eine Park- und Grünfläche neben der Apotheke mit Sitzgelegenheit und viel Grün eingerichtet.

 

Der Bereich rund um den „Platz der Partnerschaft“ hat sich inzwischen wie gewünscht als Ort der Begegnung etabliert. Alljährlich findet hier die Maibaumaufstellung statt, sowie viele andere Feste und Feierlichkeiten, wie das weit über Rimpar hinaus bekannte Rimparer Schlossfest und die Rimparer Dorfweihnacht, die 2019 zum ersten Mal stattfand. Das Engagement der Rimparer in den vielen Rimparer Vereinen ist besonders hervorzuheben. Die Verantwortlichen sorgen mit dafür, dass der Zusammenhalt im Ort gestärkt wird und Traditionen und Brauchtum weiter lebendig bleiben.

 

Immer wichtiger ist ein schnelles Internet. Gerade mit Beginn der Corona – Pandemie 2019 wurde viel im Homeoffice gearbeitet und auch die Schülerinnen und Schüler wurden online unterrichtet. Umso größer die Freude, dass 2024 der komplette Ort mit Glasfaser versorgt war.

 

Nadja Kess

Quelle:
Archiv Gemeinde

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